Gemeinsam mit meinem Partner habe ich mich dieses Mal für unsere Ruhrgebiet-Rundtour entschieden. Was wir dort alles erleben durften – und welche unerwarteten Überraschungen uns bei sommerlicher Hitze begegnet sind – erzähle ich in diesem Reisebericht.
Die Anreise nach Herne ist angenehm kurz. Nach dem Einchecken im Parkhotel führte unser erster Weg direkt in die Fahrradgarage, denn ich habe mir für diese Reise ein Velociped-E-Bike gegönnt. Die Garage voller grüner Räder verriet uns sofort, dass wir auf dieser Rundreise nicht allein unterwegs sind. Eine kleine Runde durch den Park und ein leckeres Abendessen im Biergarten runden den Anreisetag entspannt ab.
Am ersten Morgen starten wir bei herrlichem Sonnenschein Richtung Stadtzentrum. Die gepflegte Fußgängerzone mit ihren vielen kleinen Läden lädt zum Bummeln ein. Dank des gut ausgearbeiteten Radwegenetzes ist die Fahrt von Herne Richtung Dortmund trotz Stadtverkehr sehr entspannt. Die Route führt uns entlang des Rhein-Herne-Kanals bis zum Schleusenpark Waltrop mit dem imposanten Schiffshebewerk Henrichenburg. Ab Ickern folgen wir der Emscher Richtung Dortmund und genießen die Abkühlung entlang des schattigen Radwegs. Ein kurzer Abstecher zur Kokerei Hansa vermittelt uns ein erstes Gefühl für die Industriekultur. Zwar sind montags keine Rundgänge möglich, doch die Informationstafeln am Eingang geben bereits spannende Einblicke. Nach wenigen weiteren Kilometern erreichen wir – vorbei am Westfalenpark – den Phönixsee. Unsere Unterkunft für diese Nacht liegt nicht weit entfernt. Am Nachmittag erwartet uns mit einer Führung durch den Hochofen Phönix West ein weiteres Highlight. Gemeinsam mit dem fachkundigen Guide und ausgestattet mit Helmen geht es 100 Stufen hinauf auf den Skywalk und anschließend auf den rund 70 Meter hohen Hochofen. Hier sollte man definitiv schwindelfrei sein.
Dortmund – Hattingen
Am Morgen führt uns die Route zunächst durch ein idyllisches Wohngebiet auf einen Bahntrassenradweg. Dank der Wälder entlang des Weges können wir uns auf der Fahrt Richtung Witten gut abkühlen. Durch die Fußgängerzone von Witten geht es direkt zum Höhepunkt des Tages: der Zeche Nachtigall. Ausgestattet mit Helm gehen wir durch den rund 180 Meter langen und etwa 12 Grad warmen Stollen bis zum Steinbruch. Der Guide verrät uns viele Informationen zur Entstehung des Bergwerks, zu den Arbeitsbedingungen, zur frühen Schließung und zum Umbau – und steht natürlich auch für Fragen zur Verfügung. Nach einem kühlen Getränk setzen wir unsere Fahrt Richtung Hattingen fort. Nach einigen Kilometern überqueren wir die Ruhr mit der Fähre und radeln anschließend mit einer kleinen Verschnaufpause am Kemnader See nach Hattingen.
Am Morgen drehen wir noch eine kurze Runde durch die malerische Altstadt von Hattingen, bevor es wieder auf den Sattel geht. Doch zunächst steht noch eine weitere Besichtigung der auf dem Programm: Gemeinsam mit einem kundigen Guide erkunden wir das riesige Areal der Henrichshütte – inklusive eines weiteren Hochofens in schwindeliger Höhe. Danach geht es mit dem Fahrrad entlang der Ruhr bis zum Baldeneysee, wo wir einen kurzen Zwischenstopp an der Villa Hügel einlegen. Nach den heißen Tagen verdunkelt sich nun der Himmel und wir machten uns zügig auf den Weg nach Kettwig. Unterstellen oder weiterfahren? Natürlich weiterfahren – schließlich habe ich ein E-Bike. Kurz darauf prasselt ein herrlich erfrischender Sommerregen auf uns nieder und wir kommen ziemlich nass an unserer Unterkunft an. Wenig später folgt auch noch ein Anruf vom Büro in Marburg: Mein Koffer ist leider im letzten Hotel stehen geblieben. Doch keine Sorge – die Kolleg*innen haben sich schon gekümmert und der Koffer wird zügig nachgeliefert. Was für ein Schreck!
Kettwig – Duisburg
Heute hat es sich endlich etwas abgekühlt. Auf geht es nach Mülheim an der Ruhr. Dort machten wir eine kurze Pause in einem kleinen Park mit Teich, Enten und allem, was dazugehört – perfekt für eine entspannte Mittagsrast. Weiter geht es nach Duisburg. Unterwegs merken wir, dass beim Fahrrad meiner Begleitung immer wieder Luft aus dem Reifen entweicht – also heißt es immer wieder aufpumpen und schließlich Schlauchwechsel. Wir werden etwas ausgebremst, schaffen es aber schließlich doch bis nach Duisburg. Dort reparieren wir zuerst den Fahrradschlauch und halten Ausschau nach einem Ersatz, damit es am nächsten Tag weitergehen kann. Am Abend geht es natürlich noch zum Binnenhafen, wo wir den Tag bei einem leckeren Abendessen ausklingen lassen.
Am Morgen starten wir Richtung Landschaftspark Duisburg-Nord. Auf dem Weg dorthin haben wir erneut einen Platten – also heißt es immer wieder aufpumpen, bis wir endlich angekommen sind. Noch 15 Minuten bis zur geführten Radtour? Also: Highspeed-Schlauchwechsel. Und tatsächlich – wir schaffen es pünktlich. Gemeinsam mit dem Guide radeln wir durch die riesige Anlage. Es ist wirklich beeindruckend, wie vielseitig eine ehemalige Industrieanlage heute genutzt werden kann. Nach einem leichten Mittagessen im Landschaftspark führt uns die Reise weiter zum nächsten Höhepunkt: dem Tetraeder in Bottrop, errichtet auf einer Halde. Auch hier bin ich wieder sehr froh über mein E-Bike. Der Aufstieg lohnt sich – der Ausblick über das Ruhrgebiet ist atemberaubend. Anschließend radeln wir weiter zum modernen Friends Hotel auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Nach einem Aperitif heißt es für uns schick machen, denn am Abend erwartet uns ein Abendessen im Restaurant Müllers auf der Rü by Nelson Müller. Ein großes Dankeschön an meine lieben Kolleg*innen für diese tolle Überraschung!
Essen – Herne
Nach dem Frühstück steht noch eine spannende Führung durch die Zeche Zollverein auf dem Programm. Danach geht es per Rad zurück Richtung Herne, mit einem kurzen Erfrischungsstopp am Radlertreffpunkt Holgers Erzbahnbude. Auf der Halde Hoheward bietet sich noch einmal ein beeindruckender Blick über das Ruhrgebiet. Über die spektakuläre Drachenbrücke lassen wir uns hinunterrollen und erreichen schließlich die Fußgängerzone von Herne. Ein kleiner Eisbecher lockt zu einer letzten Pause, bevor wir zurück ins Hotel radeln. Das E-Bike wurde wieder in der Fahrradgarage geparkt – und nach einem gemütlichen Abendessen und einer erholsamen Nacht treten wir am nächsten Morgen die Heimreise an.
Eine besondere Tour mit vielen Höhepunkten. Jeden Tag ein neues Erlebnis – ob geplant oder ungeplant. Für mich war diese Reise eine meiner schönsten bisher.