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Ruhiger Teich im Havel-Feuchtgebiet mit Enten zwischen vertrockneten Schilfgräsern. Grünes Gras im Vordergrund, Bäume und blauer Himmel im Hintergrund.

Reisebericht: Havel-Radweg

Darf bei diesem Fluss überhaupt von Fließen die Rede sein? Nur um die 40 Meter Gefälle bringt er auf seinem ca. 300 Kilometer langen Weg hinter sich. Dabei beschreibt er einen weit nach Osten geschwungenen Bogen durchs Land: Quelle und Mündung liegen also nahe beieinander, ein Fluss macht die Biege.

Ein Fluss macht die Biege

Plattes Land

Wir beginnen in Waren, wo es recht maritim zugeht: Segel klacken gegen Masten im Yachthafen. Eine leichte Brise weht, und Möwen kreischen ihr Lied. Von der Havel ist noch nichts zu sehen, denn die eine Quelle gibt es nicht. Vielmehr speist sie sich aus vielen Quellseen in und um den beeindruckenden Müritz-Nationalpark, wo sich Buchen-, Kiefer-, Eichenwälder, Heide, Seen und Moore befinden. Hier leben Rothirsche, Kraniche, See- und Fischadler. Und die Eule, Symbol des Nationalparks und für Naturschutz. Mit 32.000 Hektar ist er der größte Deutschlands und bildet gleichzeitig die Wasserscheide. Dem Lauf der Havel folgen wir gen Ankershagen. Gemächlich fließt sie dahin. Und genauso gemächlich rollen wir an ihren Ufern auf dem komplett ausgeschilderten Radweg. Kein Berg weit und breit. Steigung ist auf dieser Route wirklich ein Fremdwort. In Ankershagen wartet gleich die nächste Überraschung: Ein trojanisches Pferd aus Holz steht auf einer Wiese, nebenan ist das Heinrich-Schliemann-Museum. Der Entdecker von Mykene und Troja wuchs hier im Ort auf, wo sein Vater eine Pastorenstelle angenommen hatte.

Blaues rechteckiges Schild mit orangefarbenem Fahrradsymbol und weißer Aufschrift 'Havel RADWEG', das den Havel-Radweg markiert.

Wasserreich ist die Gegend, und viele Seen locken im Ruppiner Land zu einem Bade aus dem Sattel. Ganze 55 Seen soll es auf nur 8 Kilometern entlang des Flusses geben. Viele davon sind natürlich entstanden, einige kreisrunde Exemplare aber gibt es, weil hier früher Ton gestochen wurde. Bei Mildenberg in der ehemaligen VEB Ziegeleien Zehdenick, heute mit 42 Hektar Europas größtem Ziegeleipark, lässt sich mehr dazu erfahren. „Einst lebte man hier vom Ton. Die gebrannten Ziegel wurden dann hauptsächlich nach Berlin verschifft, wo aus ihnen Häuser erbaut wurden“, erzählt uns einer der Mitarbeiter, der hier den Beruf des Keramfacharbeiters gelernt und bei 65 Grad im Ringofen gearbeitet hat. Durst garantiert. Den und den Hunger kann man heute im Gasthaus „Alter Hafen“ stillen, in dem Ziegenkäse aus der Region und Zander aus der Havel serviert werden.

Drei Holzstühle auf einem Steg mit Blick auf einen ruhigen See, umgeben von grünen Bäumen. Ein Segelboot liegt am rechten Ufer unter blauem Himmel.

Im Sonnenlicht glitzern die Gräser. Ein Angler wartet geduldig auf einen Biss, starrt ins dunkle Wasser. Schnatternd ziehen Störche über uns hinweg, ihre Nester sind ringsum auf den Schlöten und Türmen der Dörfer zu sehen. Schwäne ducken ihre Hälse ins Nass. Rechts und links des Wegs stehen mächtige Laubbäume Spalier. Hohe Gräser flimmern im Abendlicht. Ein Schiff namens „Tütüchen“ tuckert vorbei. Ruhig ist es hier. Der Havel-Radweg darf mit Fug und Recht noch als Geheimtipp gehandelt werden.
Der Flussradweg wurde im Mai 2009 eröffnet und schlängelt sich vom Quellgebiet in der Mecklenburgischen Seenplatte bis zur Mündung in die Elbe über 350 Kilometer die Havel entlang. Dabei wird durch ganze vier Bundesländer geradelt: Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der Radweg ist größtenteils asphaltiert oder führt auf ruhigen Nebenstraßen entlang.

Weiß-blaues Hausboot namens Tütüchen fährt auf ruhigem Wasser mit Passagieren an Deck, umgeben von grünen Bäumen an der Havel.

Schlösser satt

An den Ufern der Havel haben preußische Könige nicht zu knapp imposante Schlösser und Parkanlagen errichtet. Das barocke Schloss Oranienburg beispielsweise liegt direkt am Radweg, und Sie sollten die Bremsen ziehen und es besichtigen. Erbaut wurde es einst als Landsitz für die erste Gemahlin des Großen Kurfürsten, Louise Henriette, Prinzessin von Oranien. Schloss Oranienburg wird nicht das einzige dieser Reise bleiben. Wie Perlen reihen sie sich längs des Radwegs. Klangvolle Namen wie Schloss Sanssouci in Potsdam, dazu Schloss Cecilienhof und Schloss Paretz in Potsdam werden folgen. Preußens Geschichte zieht sich an Havel und Radweg entlang.

Weißes barockes Schloss Oranienburg mit roten Ziegeldächern unter blauem Himmel. Ein Tourenrad mit Packtaschen steht auf dem Kopfsteinpflaster.

Nun radeln wir noch Richtung Wasserstadt Spandau, die erst 1920 in Groß-Berlin eingemeindet wurde. Mit Recht sind die Spandauer stolz auf die naturnahe Lage an Havel, Spree, Kanälen und mehreren Badeseen. Ab der 1844 eingeweihten Sacrower Heilandskirche, deren Turm einst in die Grenzmauer integriert war, könnte man sich und das Rad im Wassertaxi fahren lassen und ganz ohne zu treten die stählerne Glienicker Brücke betrachten, auf der zur Zeit des Kalten Krieges Spione und Agenten zwischen Ost und West ausgetauscht wurden, die Pfaueninsel, Kormorane und Reiher beobachten. Anlanden könnte man am Haltepunkt Cecilienhof/Meierei. Im Schloss Cecilienhof, heute Hotel und Museum, ist der Raum, in dem 1945 die Potsdamer Konferenz stattfand, original mit Tischen und Stühlen erhalten.

Glienicker Brücke, eine Stahlfachwerk-Brücke mit gelb-orangem Rahmen über blauem Wasser unter bewölktem Himmel zur goldenen Stunde.

Auf Schloss Sanssouci treffen wir am Ende der Reise in Potsdam. Es wird auch das preußische Versailles genannt und wurde im Rokoko-Stil erbaut. Übrigens bedeutet „Sans souci“ (Französisch) auf Deutsch „ohne Sorge“, denn hier wollte Friedrich II. Einfach nur genießen und die schnöde Realität vergessen. Das Schloss ist die einstige Sommerresidenz Friedrich des Großen und beherbergt unter anderem ein Konzertzimmer, eine Schlossbibliothek und den beeindruckenden Marmorsaal mit ovalem, vom Pantheon in Rom inspiriertem Grundriss. Berühmt sind seine weitläufigen Parkanlagen. Und hier heißt es nun: Havel, adieu. Welch königlicher, krönender Abschluss!

Gelbe Barockfassade von Schloss Sanssouci in Potsdam mit verzierten Fenstern und grüner Kupferkuppel, Besucher auf dem Hof.

Unser Fazit

Dunkler Fluss in grünem Land mit preußischer Kultur: Die Havel bietet an ihren Ufern Natur und Kultur satt in einer schlösserreichen Gegend. Und dazu den wunderschönen Havel-Radweg, auf dem sich dies alles erfahren lässt.

Nahaufnahme-Portrait von Judith Weibrecht mit rötlich-braunem Haar, blauen Augen und türkisfarbenen Ohrringen, die warm lächelt.

Judith Weibrecht

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